Die Diskussion um die Beziehung zwischen traditionellen Finanzen (TradFi) und dezentralisierten Finanzen (DeFi) hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Nicht mehr einfach nur Kampf der Systeme, sondern eher ein Austausch, eine Art Fusion, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Vorstellung, dass DeFi und TradFi sich vereinen könnten, wird jedoch oft als irreführend angesehen. Wie wir aus einer Analyse von a16zcrypto erfahren, nutzen traditionelle Finanzinstitutionen Blockchain-Technologie primär, um ihre bestehenden Geschäftsmodelle zu optimieren. Es geht weniger um den Glauben an Dezentralisierung, viel mehr um Kostenreduktion und Effizienzsteigerung.

Institutionen greifen selektiv auf Elemente der DeFi zu, die ihren spezifischen Anforderungen gerecht werden. Dabei sind Aspekte wie atomare Abwicklung, programmierbares Geld und tokenisierte Sicherheiten von großem Interesse. Aber die offene Zugänglichkeit und Pseudonymität – zentrale Merkmale von DeFi – werden oft abgelehnt. Stattdessen favorisieren viele Unternehmen Lösungen, die Compliance-Anforderungen wie KYC (Know Your Customer) und AML (Anti-Money Laundering) erfüllen. Das zeigt sich beispielsweise in der Nutzung von permissioned Blockchains, wie sie etwa von JPMorgan entwickelt wurden.

Integration statt Ersatz

Ein weiterer Aspekt, der in der aktuellen Diskussion hervorsticht, ist der Trend zur Integration. Dr. Francesco Pierangeli von der University of Birmingham hebt den Wandel in der Denkweise der Branche hervor. Was früher als Tabu galt, wie der Bitcoin-Handel bei JP Morgan, wird heute auf neue Weise betrachtet. Hybride Modelle, die DeFi-Innovationen mit den bestehenden Strukturen der TradFi kombinieren, stehen im Vordergrund. Das zeigt sich auch in den sechs strukturellen Linsen zur Analyse der beiden Systeme, die in einer weiteren Quelle detailliert erläutert werden.

Das erste Merkmal ist die Struktur: Während TradFi auf zentralisierte Intermediäre setzt, operiert DeFi über smart contracts, die programmierbar und modular sind. Diese Flexibilität ermöglicht eine kontinuierliche Verfügbarkeit, was für viele institutionelle Teilnehmer von Vorteil ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Zugang und die Verwahrung. TradFi setzt auf regulierte Verwahrung und Compliance, während DeFi auf Selbstverwahrung setzt und die Teilnahme ohne Genehmigung ermöglicht. Diese Unterschiede sind entscheidend für die Integration von Distributed Ledger Technology (DLT) in bestehende Systeme.

Die Rolle der Regulierungen

Die regulatorischen Rahmenbedingungen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Frühe Narrative sahen die Blockchain außerhalb der traditionellen Regulierungsrahmen. Heutzutage wird jedoch immer deutlicher, dass zukünftige Modelle auf regulierter Programmierbarkeit und nahtloser Integration basieren. Das bedeutet, dass Institutionen nicht nur in DLT investieren, sondern auch bereit sind, ihre Infrastruktur zu modernisieren. Ein Beispiel für eine solche hybride Architektur ist PrimeOne, ein Krypto-Prime-Brokerage-Service, der traditionelle Modelle durch Echtzeitabwicklung ersetzt. Hier wird deutlich, wie TradFi und DeFi sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern vielmehr konvergierende Infrastrukturen schaffen.

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Insgesamt zeigt sich, dass die Innovationsquelle für Institutionen oft aus offenen Netzwerken kommt. Entwickler haben die Möglichkeit, entweder neue Lösungen von Grund auf zu entwickeln oder bestehende Produkte anzupassen. Netzwerke wie Canton sind speziell für die Anforderungen von Institutionen konzipiert, während Morpho bestehende DeFi-Primitives so anpasst, dass sie für die institutionelle Nutzung geeignet sind. Es ist also wichtig, dass Entwickler klar definieren, für welchen Markt sie bauen, da die Ansprüche an Sicherheit und Effizienz in der TradFi anders gelagert sind als in der DeFi.

Die Zukunft der Finanzinfrastruktur könnte tatsächlich auf der Kombination dieser beiden Welten basieren. Wo wir früher oft von einem klaren Gegensatz sprachen, erkennen wir jetzt die Chancen, die sich aus der Verschmelzung dieser beiden Paradigmen ergeben. Die Herausforderungen sind dabei nicht zu unterschätzen, aber die Möglichkeiten könnten die finanziellen Landschaften revolutionieren.