In Los Angeles, der Stadt der Engel, gibt es ein drängendes Problem: die Obdachlosigkeit. Laut einer aktuellen Erhebung hat die Stadt die größte unshelterte Obdachlosenpopulation der USA. Auf den Straßen sieht man immer mehr Zelte, Drogen und Müll. Trotz signifikanter Ausgaben von Stadt und County ist die Situation unhaltbar geworden. Die Los Angeles Homeless Services Authority (LAHSA) berichtet, dass im Jahr 2020 ein Drittel der unshelterten Personen außerhalb des Los Angeles County obdachlos wurde. Eine Studie der RAND Corporation aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sogar 41 Prozent der Obdachlosen in Hollywood, Venice und Skid Row ursprünglich außerhalb des Landkreises lebten. Die Problematik wird aber nur unzureichend erfasst, denn die LAHSA hat 2021 aufgehört, Daten über die vorherige Wohnlage dieser Personen zu veröffentlichen – was viele Fragen aufwirft und die Transparenz einschränkt. Zufällig wurde das vorherige Datenmaterial von RAND in eine weniger prominente Annex verschoben, was ebenfalls auf Kostensenkungsmaßnahmen zurückzuführen ist.
Für weitere Informationen zu diesen Entwicklungen können Sie den umfassenden Artikel in der Washington Post nachlesen.
Die Zahlen sind erschreckend. Eine separate Umfrage hat ergeben, dass 64 Prozent der obdachlosen Menschen in Los Angeles aus anderen Regionen kommen, wobei 53 Prozent sogar aus anderen Landkreisen stammen. Interessanterweise sind fast 40 Prozent dieser Personen aus Bundesstaaten, die 2024 für Trump gestimmt haben. Ein Beispiel ist eine Frau aus New York, die als Marine gedient hat, und ein Mann aus dem nördlichen New York, der auf der Suche nach Behandlung für seine Sucht ist. Sogar eine ältere Dame, die aus Washington, D.C. nach L.A. reiste, hat sich in der Stadt niedergelassen, um ein neues Leben zu beginnen. Es ist schon fast tragisch, wie viele individuelle Geschichten hinter dieser Statistik stehen, und doch wird die Problematik oft nur als eine facettenreiche Zahl wahrgenommen.
Die Herausforderungen der Zählung und der Ressourcenverteilung
Auf Basis der neuesten Daten des Los Angeles Longitudinal Enumeration and Demographic Survey (LA LEADS) wird deutlich, dass die offiziellen Zählungen in den betroffenen Vierteln die tatsächliche Anzahl der Obdachlosen zunehmend unterschätzen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der sogenannten „rough sleepers“, die ohne Zelt oder Fahrzeug leben und somit nur schwer zu zählen sind. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind auch die, in denen die offiziellen Zählungen am häufigsten falsch liegen. Die jährlich durchgeführte Point-in-Time (PIT) Count, die als Obdachlosenzensus für den Landkreis dient, zeigt besorgniserregende Tendenzen. Im Jahr 2024 wurden nur 1.694 Personen gezählt – eine erschreckende Unterzählung von 32 Prozent. Hochgerechnet könnte dies bedeuten, dass bis zu 7.900 Personen und Haushalte in den offiziellen Zahlen fehlen.
Die PIT Count ist von entscheidender Bedeutung, da sie die öffentliche Wahrnehmung und politische Entscheidungen über die Obdachlosigkeit beeinflusst. Umso mehr ist es notwendig, dass die Ressourcen dort fließen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Die Probleme mit der Zählung könnten auch auf erfolgreiche Initiativen wie LA City’s Inside Safe zurückzuführen sein, die die Anzahl der Zelte in den Straßen verringert hat. Diese positiven Entwicklungen sind jedoch nicht ohne Schatten – die steigende Zahl der rough sleepers weist auf die höchsten sozialen und klinischen Bedürfnisse hin. Diese Menschen sind besonders wichtig zu zählen, um die richtigen Hilfsangebote bereitstellen zu können. Ein Vorschlag zur Verbesserung der PIT Count wäre die stärkere Einbindung professioneller Feldteams, um die freiwilligen Zählungen unabhängig zu überprüfen und somit die Genauigkeit zu steigern.
Ein Blick auf die nationalen Trends
<pDie Situation in Los Angeles ist Teil eines größeren Trends in den USA. Die Zahl der Obdachlosen hat im Jahr 2024 einen Rekordwert von 771.480 Menschen erreicht – ein Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu Beginn des Jahres waren 23 von 10.000 US-Bürgern obdachlos, und die Hauptursachen sind vielfältig: anhaltende Inflation, hohe Immobilienpreise und steigende Mieten. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass viele Menschen in die Obdachlosigkeit gedrängt wurden. Die durchschnittlichen Mieten sind im Januar 2024 um 20 Prozent höher als vor drei Jahren. Die Obdachlosigkeit ist ein Teil des größeren Problems der Wohnungslosigkeit, das viele Familien betrifft. Besonders auffällig ist der Anstieg obdachloser Kinder – 150.000 Kinder leben ohne festen Wohnsitz, was einen Anstieg von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Kinder unter 18 sind die am schnellsten wachsende Gruppe.
Die Gründe für diese Entwicklung sind komplex: Stagnierende Löhne bei Geringverdienern, systematischer Rassismus und die Auswirkungen von Naturkatastrophen tragen zur dramatischen Lage bei. In wärmeren Regionen, wie San Francisco, leben viele Obdachlose in provisorischen Zeltstädten, während die Auswirkungen synthetischer Drogen wie Fentanyl besonders stark zu spüren sind. Die gesundheitlichen Schäden und Überdosierungen sind erschreckend, vor allem bei den ohnehin schon vulnerablen obdachlosen Menschen. Es ist ein Teufelskreis, der sich nur schwer durchbrechen lässt, und die Herausforderungen werden weiterhin zunehmen, wenn nicht schnell gehandelt wird.