Heute ist der 10.06.2026 und die Welt der Kryptowährungen steht an einem kritischen Punkt. Die Entwicklungen im Bereich Quantencomputing haben in den letzten Jahren große Wellen geschlagen – und das nicht ohne Grund. Kürzlich hat der Autor von CoinDesk alle seine Bitcoin-Bestände verkauft und in Ethereum investiert. Das ist mutig, könnte man sagen, aber auch schockierend für viele, die Bitcoin als die „Mutter“ aller Kryptowährungen ansehen. Warum dieser Schritt? Die Antwort liegt in den wachsenden Bedenken hinsichtlich der Quantencomputing-Technologie und ihrer Auswirkungen auf die Sicherheit von Bitcoin.
Am 30. März 2026 veröffentlichten Citi-Analysten eine alarmierende Bestätigung: Fortschritte in der Quantencomputing-Technologie erhöhen die Risiken für digitale Vermögenswerte erheblich. Besonders betroffen ist Bitcoin, das signifikant höhere Risiken durch Quantencomputer aufweist als Ethereum. Diese Erkenntnisse wurden durch eine Studie von Google Quantum AI und der Stanford University untermauert, die aufzeigte, dass die Ressourcen, um Bitcoins Kryptografie zu brechen, 20-mal geringer sind als zuvor geschätzt. Ein fortgeschrittener Quantencomputer könnte in nur neun Minuten einen Bitcoin-Privatschlüssel aus dem öffentlichen Schlüssel ableiten – ein Szenario, das einem Alptraum für jeden Bitcoin-Investor gleicht.
Die Bedrohung für Bitcoin
Ein gewisser Nic Carter, Mitbegründer von Coin Metrics, warnt bereits seit Oktober 2025 vor den Risiken, die Quantencomputing für Bitcoin mit sich bringt. Er schätzt, dass es lediglich bis 2028 dauern könnte, bis ein Quantencomputer Bitcoin-Kryptografie knacken kann. Das klingt fast wie aus einem Science-Fiction-Film, ist aber sehr realistisch. Etwa 6,9 Millionen BTC könnten anfällig sein – das sind nicht nur die alten Wallets, sondern auch die neueren Taproot-Ausgaben.
Ein weiterer Aspekt, der die Situation für Bitcoin erschwert, sind die langsamen Governance-Strukturen. Diese konservative Art der Entscheidungsfindung führt dazu, dass Vorschläge zur Verbesserung der Quantenresistenz noch in der Entwurfs- oder frühen Testphase stecken. Im Gegensatz dazu hat Ethereum bereits Maßnahmen zur Quantenresistenz ergriffen, basierend auf den NIST-Standards für post-quanten Kryptografie. Das Pectra-Upgrade, das im Mai 2025 eingeführt wurde, ermöglicht es individuellen Konten, ihre Signaturverifizierung zu wählen.
Ein Blick auf Ethereum
Was Ethereum angeht, da sieht es ganz anders aus. Die Ethereum Foundation hat einen klaren Zeitplan zur Fertigstellung der post-quanten Infrastruktur bis etwa 2029 aufgestellt. Der Hegotá-Hardfork, der für die zweite Hälfte von 2026 geplant ist, wird die Quantenresistenz weiter im Protokoll verankern. Während die Regierungen auf der ganzen Welt – einschließlich der USA und der EU – bereits Pläne zur Umstellung auf post-quanten Kryptografie einreichen mussten, steht Bitcoin mit seiner langsamen Governance und unklaren Quantenresistenzplänen ziemlich allein da.
Google hat vor Kurzem ein Whitepaper veröffentlicht, das zeigt, dass weniger als 500.000 physische Qubits benötigt werden, um die elliptische Kurven-Kryptografie zu brechen, die sowohl Bitcoin als auch andere Kryptowährungen schützt. Diese Zahl ist im Vergleich zu früheren Schätzungen, die in Millionen lagen, ein echter Schock. Die Mitautoren des Papers, darunter Justin Drake von der Ethereum Foundation, haben die US-Regierung in die Entwicklungen einbezogen. Aktuell kann zwar kein Quantencomputer diesen Angriff ausführen, aber die Fortschritte sind beunruhigend.
Die Zeit drängt
Die Bedrohung durch Quantencomputing betrifft nicht nur Bitcoin. Google klassifiziert Quantenangriffe auf Kryptowährungen in drei Kategorien: On-Spend, At-Rest und On-Setup Angriffe. Die Sicherheit von Bitcoin beruht auf der Annahme, dass es rechnerisch unmöglich ist, einen privaten Schlüssel aus einem öffentlichen Schlüssel abzuleiten. Doch Quantencomputer können diese Annahme mit Shors Algorithmus angreifen, der exponentiell schneller ist als klassische Ansätze.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht die Frage nach der Existenz von Quantencomputern als nicht mehr zentral an. Es gibt bereits erste Ansätze zur Standardisierung von Post-Quanten-Verfahren, die dringend vorangetrieben werden sollten. Das BSI hat die Wirtschaft, Betreiber kritischer Infrastrukturen und die öffentliche Verwaltung aufgefordert, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten. Die Zeit drängt, und die Entwicklungen in der Quantenkryptografie müssen jetzt angepackt werden.
In einer Welt, in der Quantencomputer immer mehr an Bedeutung gewinnen, bleibt die Frage: Werden wir rechtzeitig in der Lage sein, unsere digitalen Vermögenswerte zu schützen? Die Antwort darauf bleibt abzuwarten. Doch eins steht fest: Die Uhr tickt, und die Risiken sind real.