Heute, am 22. Mai 2026, stehen die Zeichen für Ethereum (ETH) ganz anders als noch vor einem Jahr. Dankrad Feist, ein ehemaliger Forscher der Ethereum Foundation, hat einen mutigen Vorschlag in die Runde geworfen – er fordert die Gründung einer neuen Organisation, die sich auf Ethereum konzentriert, und das mit einem Budget von mindestens 1 Milliarde USD. Seine Argumentation? Es sei der einzige glaubwürdige Weg, um Ethereum wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Das klingt fast wie ein Aufruf zum Aufbruch, oder? Feist hat diesen Vorschlag auf X veröffentlicht, und das in einer Zeit, in der die Ethereum Foundation einen signifikanten Exodus hochrangiger Mitglieder erlebt hat. Im Jahr 2026 haben bereits mindestens acht dieser Mitglieder, darunter fünf im Mai, ihren Rücktritt erklärt.

In seinem Plan skizziert Feist vier zentrale Anforderungen für die neue Organisation: Erstens, die Finanzierung von mindestens 1 Milliarde USD, was er als angemessen erachtet, basierend auf einer Marktkapitalisierung von etwa 250 Milliarden USD für das Ethereum-Ökosystem. Zweitens, es braucht einen kompetenten Leiter, der die Interessen des Protokolls verteidigt. Drittens, ein Vorstand, der ausdrücklich den Ether (ETH) Haltern gegenüber verantwortlich ist. Und viertens, ein permanenter Einkommensstrom aus Staking. Feist betont, dass die dauerhafte Einbindung dieser Einnahmen in die Organisation die Anreize direkt an die Preisentwicklung von ETH koppeln würde.

Die Rolle der Ethereum Foundation

Aktuell hält die Ethereum Foundation weniger als 0,1 % aller ETH und erhält keine Anteile an Staking- oder Transaktionsgebühren – das ist jetzt nicht gerade viel. Ihr Treasury umfasst etwa 92.548 ETH, eine Zahl, die in den letzten Monaten geschrumpft ist, da Bestände verkauft wurden, um die Betriebskosten zu decken. Im Februar 2026 startete die Foundation eine Staking-Initiative, um 70.000 ETH zu generieren und native Erträge zu erzielen, ohne die Treasury-Bestände weiter zu reduzieren. Doch Kritiker sind skeptisch – sie argumentieren, dass dieser Schritt nicht den wirtschaftlichen Einklang erreicht, den Feist sich vorstellt. Es ist ein heikles Thema.

Feist, der nach seinem Weggang von der Foundation zu Tempo, der Stablecoin-Blockchain von Stripe, wechselte, weiß, dass es Zeit brauchen könnte, einen Konsens über seinen Vorschlag zu finden. Dennoch bezeichnet er ihn als „den einzigen Weg“. Im Moment wird ETH bei etwa 2.126 USD gehandelt, was einen Rückgang von etwa 57 % im Vergleich zum Höchststand von über 4.900 USD im letzten Jahr bedeutet. Die Stimmung in der Community ist angespannt, und die Fragen, die sich stellen, sind vielfältig.

Ein Blick auf die Governance von Ethereum

Ein zentraler Punkt in dieser Diskussion ist die Governance von Ethereum. Man könnte sagen, es ist fast wie ein großes Puzzle, bei dem keine einzelne Person die Kontrolle hat. Das Governance-Modell ist nicht auf eine traditionelle Art strukturiert und setzt auf die Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder. Dazu gehören Ether-Halter, Anwendungsnutzer, Entwickler von Anwendungen und Tools, Node-Betreiber, EIP-Autoren, Validatoren und Protokollentwickler. Die Ethereum Improvement Proposals (EIPs) spielen hier eine Schlüsselrolle, indem sie einen formalen Prozess zur Einführung von Änderungen am Protokoll darstellen. Wer es geschafft hat, einen EIP zu entwickeln, muss diesen erst bei den Protokollentwicklern vorstellen und dann iterativ auf Feedback reagieren.

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Das Ganze wirkt fast wie eine lebendige Diskussion ohne formale Abstimmungen – informelle Prozesse sind entscheidend, besonders bei umstrittenen Vorschlägen. Wenn sich eine signifikante Anzahl von Stakeholdern nicht einig ist, kann es sogar zu einem Chain Split kommen, wie wir es bei dem DAO-Fork im Jahr 2016 gesehen haben. Damals entschied die Community, einen Hack rückgängig zu machen, was zur Schaffung von Ethereum Classic führte. Es ist ein faszinierendes, wenn auch manchmal chaotisches System, das sich ständig weiterentwickelt.

Die Ethereum-Community hat sich mittlerweile eine Politik der Nichtintervention bezüglich Vertragsfehler oder verlorener Gelder auferlegt. Und nach dem Merge, der im September 2022 stattfand und Ethereum auf ein Proof-of-Stake-System umstellte, könnte die Governance noch dynamischer werden. Es bleibt also spannend zu beobachten, wie sich die Situation um die Ethereum Foundation und die Vorschläge von Feist entwickeln werden. Bleiben wir dran!