Heute ist der 11.05.2026 und die Welt der Kryptowährungen ist wieder einmal im Wandel. Michael Saylor, Executive Chairman von Strategy, hat kürzlich interessante Einblicke in die Strategie seines Unternehmens gegeben. Er hat frühere Aussagen über den Verkauf von Bitcoin, um Dividenden zu finanzieren, umformuliert und spricht jetzt von einer taktischen Akkumulationsstrategie. Laut Saylor würde jede potenzielle Bitcoin-Veräußung immer noch dazu führen, dass das Unternehmen netto Käufer bleibt. Das Verhältnis von Verkauf zu Kauf könnte dabei bei 1 zu 10 bis 20 liegen. Diese Herangehensweise wird oft mit der eines Immobilienentwicklers verglichen, der wertsteigernde Immobilien verkauft, um sein Portfolio zu erweitern. Dies klingt nach einer durchdachten Strategie in einem volatilen Markt.
Die Klarstellung von Saylor kommt nicht von ungefähr. Im ersten Quartal hat Strategy einen Rekordverlust von 12,54 Milliarden Dollar verzeichnet, was ihn dazu brachte, den möglichen Verkauf von Bitcoin ins Spiel zu bringen, um die Dividendenverpflichtungen zu decken. Die jährlichen Dividenden, die das Unternehmen für seine Vorzugsaktien zahlen muss, belaufen sich auf etwa 1,5 Milliarden Dollar. Der Wandel von „niemals verkaufen“ zu „niemals netto verkaufen“ zeigt, dass Saylor sich an die Gegebenheiten des Marktes anpasst. Momentan hält Strategy 818,334 BTC, die etwa 66,2 Milliarden Dollar wert sind, wobei die durchschnittlichen Erwerbskosten bei 75,537 Dollar pro Coin liegen – das ergibt einen Wertzuwachs von 7%.
Ein Blick auf die Zahlen und die Zukunft
CEO Phong Le hat auf CNBC betont, dass das Unternehmen Bitcoin verkaufen würde, wenn dies mehr Wert für die Aktionäre schafft als die Ausgabe von Eigenkapital. Diese Entscheidung basiert mehr auf Mathematik als auf Ideologie. JPMorgan-Analysten schätzen, dass die Bitcoin-Käufe von Strategy in diesem Jahr bei etwa 30 Milliarden Dollar liegen könnten, wenn die aktuelle Kaufgeschwindigkeit beibehalten wird. Saylor hat kürzlich auf X verkündet: „Back to work. BTC,“ was historisch gesehen oft neuen Bitcoin-Käufen in der darauffolgenden Woche vorausging.
Doch die Situation ist nicht nur rosig. Bitcoin ist in den letzten Monaten erheblich gefallen, von einem Höchststand von 126,080 Dollar auf einen aktuellen Preis von 82,000 Dollar, was einem Rückgang von 35% entspricht. Strategy ist der größte Unternehmensinhaber von Bitcoin, und die Aktien des Unternehmens handeln oft deutlich über dem Wert der Bitcoin-Bestände, mit einem Höchststand von 190% über den Bitcoin-Werten. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung von Strategy jedoch bei 49 Milliarden Dollar – das ist weniger als die 56 Milliarden Dollar, die das Unternehmen in Bitcoin hält. Ein weiterer Dämpfer sind die 60%igen Kursverluste der Unternehmensaktien innerhalb eines Jahres.
Die Herausforderungen durch das Marktumfeld
Die S&P Global Ratings haben Strategy mit einem B- Kreditrating bewertet, was auf Schwächen aufgrund der hohen Bitcoin-Konzentration und der niedrigen Liquidität hinweist. Analysten von JPMorgan warnen vor möglichen Abzügen aus wichtigen Benchmarks, was zu einem Rückgang von bis zu 2,8 Milliarden Dollar bei den Aktienabflüssen führen könnte. Passive Fonds, die mit Strategy verbunden sind, haben fast 9 Milliarden Dollar an Exposition. Obwohl das Unternehmen die Kriterien für die Aufnahme in den S&P 500 bereits zwei Quartale erfüllt hat, wurde es bislang nicht hinzugefügt.
Saylor konzentriert sich darauf, Bitcoin-gestützte Einkommensinstrumente zu schaffen, anstatt dass das Unternehmen nur als Bitcoin-Nachverfolgungsaktie fungiert. Strategy hat jüngst ewige Vorzugswerte im Wert von 8,6 Milliarden Dollar eingeführt, die verschiedene Dividendenraten bieten. Diese Vorzugswerte beinhalten Strike (8% jährliche Dividende), Strife (10% jährlich), Stride (10% jährlich) und Stretch (anfänglich 9% monatlich). Die Dividenden werden als „Rückzahlung des Kapitals“ behandelt, was steuerliche Vorteile für die Anleger mit sich bringt.
Die jüngsten Rückgänge bei Bitcoin haben auch Auswirkungen auf den Handel mit diesen Vorzugswerten, da einige unter dem Nennwert gehandelt werden. Strategy sieht sich jährlichen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von etwa 700 Millionen Dollar für Vorzugsdividenden und Zinsen auf wandelbare Schulden gegenüber. Das Unternehmen hat 8 Milliarden Dollar an wandelbaren Schulden, von denen 7,4 Milliarden Dollar nicht im Geld sind. CEO Phong Le hat Pläne skizziert, wie Einkommen generiert werden kann, einschließlich des Einsatzes von Bitcoin-Derivaten und dem Verkauf hochpreisiger Bitcoin.
Inmitten all dieser Herausforderungen arbeitet Saylor an innovativen Finanzierungsmodellen, einschließlich der Nutzung von KI zur Entwicklung neuer Wertpapiere. Das Ziel von Strategy bleibt es, Leverage zu eliminieren und die Kaufkraft durch Instrumente ohne Schulden zu erhöhen. Seit Saylor im August 2020 mit dem Kauf von Bitcoin begonnen hat, sind die Aktien des Unternehmens um beeindruckende 1,160% gestiegen. Die nächsten Schritte der Strategie könnten entscheidend dafür sein, wie sich das Unternehmen in der dynamischen Welt der Kryptowährungen positioniert.