Es ist ein schillerndes Thema, das immer wieder die Gemüter erhitzt: Kryptowährungen und ihre Rolle in der Finanzkriminalität. Nehmen wir Bitcoin, dieses digitale Gold, das viele als die Lösung für so ziemlich alles sehen. Doch, wie sich herausstellt, ist Bitcoin nicht die erste Wahl für Kriminelle, wenn es um illegale Aktivitäten geht. Eine Auswertung von River zeigt ganz klar, dass im Jahr 2025 ein Volumen von 10,8 Milliarden US-Dollar auf Bitcoin entfiel, während Stablecoins, wie USDT oder USDC, mit satten 129 Milliarden US-Dollar in der gleichen Kategorie weit überlegen waren. Dies deutet darauf hin, dass die Stabilität und geringere Volatilität von Stablecoins sie zu einem bevorzugten Zahlungsmittel für die dunklen Geschäfte der Finanzwelt machen.
Im Jahr 2022, als die Zahlen noch frischer waren, betrug das Volumen bei Stablecoins 35 Milliarden US-Dollar, während Bitcoin mit 11,2 Milliarden US-Dollar deutlich hinterherhing. Diese Entwicklung ist nicht zu übersehen, denn seit 2022 haben Stablecoins Bitcoin in dieser Statistik klar überholt. Warum? Weil sie einfach besser geeignet sind für kurzfristige Transfers und Zahlungsabwicklungen in kriminellen Netzwerken – die hohe Preisvolatilität von Bitcoin stellt für illegale Akteure ein erhebliches Risiko dar. Pierre Rochard, CEO der Bitcoin Bond Company, brachte es auf den Punkt, als er sagte, dass „Bitcoin zu volatil für Kriminelle“ sei. Und das ist nicht einmal übertrieben.
Die Schattenseiten der Stablecoins
Doch bevor wir uns zu sehr in den Zahlen verlieren, lohnt es sich, einen Blick auf die Warnungen der Financial Action Task Force (FATF) zu werfen. Diese Organisation, die von den G7-Staaten gegründet wurde, schlägt Alarm. Sie warnt vor den Risiken, die Stablecoins für Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und die Umgehung von Sanktionen mit sich bringen. Die FATF hebt hervor, dass Transaktionen zwischen Non-Custodial Wallets – also Geldbörsen ohne regulierte Intermediäre – das Risiko von Finanzkriminalität erhöhen. In einem Bericht von Chainalysis wird prognostiziert, dass Stablecoins im Jahr 2025 etwa 84 % des gesamten Volumens illegaler Kryptowährungstransaktionen ausmachen könnten. Das wären rund 154 Milliarden US-Dollar!
Was für ein Ausmaß! Diese digitalen Währungen sind durch ihren stabilen Wechselkurs und die Möglichkeit internationaler Geldtransfers unwiderstehlich für Kriminelle. Insbesondere Nordkoreanische Hacker haben ein Auge auf Stablecoins geworfen, um illegal erworbene Gelder zu waschen und umzuwandeln. Und während wir uns über die Gefahren von Bitcoin unterhalten, könnte man fast vergessen, dass die Krypto-Zahlen im Vergleich zum traditionellen Finanzsystem immer noch klein sind. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt, dass jährlich zwischen 800 Milliarden und zwei Billionen US-Dollar gewaschen werden – eine beunruhigende Größenordnung.
Die Rolle der Aufsichtsbehörden
Ein anderer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, sind die Aufsichtsbehörden und deren Reaktionen auf diese Entwicklungen. 2024 erreichten die Verdachtsmeldungen mit Bezug zu Kryptowährungen einen neuen Höchststand. Laut dem Jahresbericht der Financial Intelligence Unit (FIU) des deutschen Zolls wurden rund 8700 Meldungen registriert, was 3,3 Prozent aller Verdachtsmeldungen ausmacht. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Behörden die Risiken aus dem Transfer- und Verwahrgeschäft mit Kryptowährungen zunehmend ernst nehmen.
Die Herausforderungen bestehen darin, komplexe digitale Finanzströme schnell zu erkennen und nachzuvollziehen. Ein Beispiel aus dem FIU-Bericht beschreibt, wie Investorengelder grenzüberschreitend über Wallets und Krypto-Börsen verschoben wurden, oft unter Verwendung fingierter Identitäten. Hier kommen die Compliance-Verantwortlichen ins Spiel: Sie müssen sich fragen, ob ihr Geldwäsche-Compliance-Programm auf die Risiken durch Krypto-Transaktionen vorbereitet ist und ob sie über die nötigen Analyse-Tools verfügen, um digitale Geldflüsse effektiv zu überwachen.
So stehen wir heute, am 1. Juni 2026, an einem Scheideweg. Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin und Stablecoins, sind nicht nur ein Thema für Technikbegeisterte, sondern auch für Regulierer und Strafverfolger. Die Debatte um ihre Nutzung in der Finanzkriminalität bleibt spannend und herausfordernd. Es bleibt abzuwarten, wie die nächsten Schritte in der Regulierung aussehen werden und welche neuen Entwicklungen uns noch erwarten.